Geschichte
Zu Anfang hatte das Theater Ulm kein eigenes Gebäude, die Aufführungen bestanden aus Laienspielen der Meistersingerschule und der Schüler des Gymnasiums. Zwischen 1550 und 1650 wurden unter den Rektoren Martin Balticus, Daniel Hebenstreit und Johann Konrad Merk Vorstellungen gezeigt, die sich auf ein Minimum an Requisiten beschränkten. Es gab keinen festen Theatersaal mit Bühne und Vorhang, man griff auf einen Raum in der Schule, im Neuen Bau oder auf den Schuhhaussaal Ulms zurück. Zeitweise war der Publikumsandrang so groß, dass er durch die Polizei gemaßregelt werden musste. Neben dem Laienspiel machten auch gastierende Schauspielgruppen aus England und den Niederlanden Halt, um Darbietungen zu geben. Es gab keinen regelmäßigen Spielplan, Vorstellungen fanden meist an Festtagen statt. Der dreißigjährige Krieg brachte die Theateraufführungen schließlich fast zum Erliegen.
Rektor Merk ließ nach dem Separatfrieden der Reichsstadt mit dem Kaiser die Laienkomödie wiederbeleben. Gemeinsam mit dem Waisenhauspfleger Hans Trost überzeugte er 1640 den damaligen Stadtbaumeister Joseph Furttenbach in einem Stadel des alten Waisenhauses ein Theater einzurichten. Ganze drei Aufführungen wurden dort unter großem Publikumsandrang gespielt, als man auch schon wieder vom Gebäude abließ, da dieses nicht den Theateransprüchen entsprach.
Stadtbaumeister Furttenbach baute daraufhin ein als Kornhaus genutztes Gebäude des ehemaligen Dominikanerklosters als Theater um. Damit begann eine neue Ära. Die nach dem italienischen Stil errichtete Bühne wurde am 17. August 1641 mit einer sechsstündigen Vorstellung eingeweiht - mit »Moses« von Bruelovius, bearbeitet von Rektor Merk und dargestellt von seinen Schülern. Die Bühne hatte nun einen ordentlichen Vorhang und die drehbaren Kulissenelemente ließen einen raschen Szenenwechsel zu. Es gab auch ausreichend Platz, um größere Requisiten, wie Kutschen, zu nutzen. Nebst der Bühne gab es auch einen Graben, in dem die Musiker saßen. Das Publikum fand sich auf den 600 Sitz- und den 150 Stehplätzen ein.

Modell des Furttenbachtheaters




